Fraunhofer IIS_DAB+_ASA

Bundesweiter Warntag 2026: Einführung von DAB+-Warntechnologie ASA auf dem ersten Bundesmux

Katastrophenwarnungen auch ohne Mobilfunk und Internet: Zum bundesweiten Warntag im September 2026 startet für die DAB+-Warntechnologie ASA die Einführungsphase zum Regelbetrieb und ermöglicht eine vollständig automatisierte Warnkette mittels Rundfunks.

Eine automatisierte Warnkette für den Katastrophenfall

Mit dem bundesweiten Warntag 2026 erreicht die auf DAB+ basierende Warntechnologie Automatic Safety Alert (ASA) einen wichtigen Meilenstein. In Zusammenarbeit von Deutschlandradio, Media Broadcast und Fraunhofer IIS startet ASA auf dem ersten bundesweiten DAB+ Ensemble (Bundesmux) in die Einführungsphase zum Regelbetrieb.

Im Fokus steht die Etablierung einer durchgängigen, automatisierten Warnkette: Warnmeldungen des Modularen Warnsystems (MoWaS) des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) werden ohne manuelle Zwischenschritte über DAB+ verbreitet und auf ASA-fähigen Empfängern nahezu in Echtzeit ausgegeben. Für den bundesweiten Betrieb wurde im ersten DAB+-Bundesmultiplex eigens der Warn-Service „ASA DE“ eingerichtet.

Damit ergänzt ASA den bestehenden Warnmix aus Sirenen, Cell Broadcast, Warn-Apps und herkömmlichem Rundfunk um einen zusätzlichen, vom Mobilfunk und Internet unabhängigen Verbreitungsweg.

Standortbasierte und barrierearme Warnungen über DAB+

ASA (Automatic Safety Alert) wurde vom Fraunhofer IIS gemeinsam mit Partnern aus Rundfunk, Industrie und Standardisierung entwickelt, um Warnmeldungen auch dann zuverlässig zu verbreiten, wenn Mobilfunk- oder Internetnetze nicht verfügbar sind oder überlastet werden.

Technische Grundlage sind standardisierte ETSI-Spezifikationen, die vom Fraunhofer IIS maßgeblich mitgestaltet wurden. Die Technologie nutzt den digitalen Rundfunkstandard DAB+ und kombiniert Warnübertragung mit standortbezogenen Funktionen. Über Geofencing können Warnungen gezielt an betroffene Regionen adressiert werden. ASA-fähige Empfänger erkennen relevante Warnungen automatisch und können, abhängig von der Warnpriorität, Geräte aus dem Standby aktivieren oder auf die Warnmeldung umschalten.

Die Warnungen erfolgen entweder als Sprachdurchsagen von Radiosprecherinnen und-sprechern oder schneller und zuverlässiger über Text-to-Speech-Technologien (TTS), bei denen eine Textmeldung automatisch in gesprochene Sprache umgewandelt wird. Neben akustischen Signalen für Hörerinnen und Hörer können Gehörlose und Schwerhörige bei ausgewählten Geräten auch per Blinksignal auf Warnungen hingewiesen werden und die Meldungen auf dem Radiodisplay mittels der erweiterten Warnfunktion EWFplus in detaillierter Textform als Journaline-Text nachlesen.

Neuer Warn-Service „ASA DE“ geht auf Sendung

Neu in der mit dem diesjährigen Warntag gestarteten Einführungsphase zum Regelbetrieb ist insbesondere der vom Fraunhofer IIS entwickelte EWS-Manager. Das System wird von Media Broadcast im Auftrag von Deutschlandradio betrieben und steuert die Verarbeitung und Verteilung von Warnmeldungen auf dem neu eingerichteten DAB+-Warn-Service „ASA DE“. Damit entsteht erstmals eine vollständig automatisierte technische Kette vom Auslösen einer Warnmeldung im MoWaS-System bis zur Aussendung im bundesweiten DAB+-Netz.

Warnsysteme müssen auch dann funktionieren, wenn andere Kommunikationswege eingeschränkt oder überlastet sind. Nach der Standardisierung, den ersten Feldversuchen und der Verfügbarkeit zertifizierter Empfänger erreichen wir nun die nächste Ausbaustufe: Der Start von ASA auf dem ersten Bundesmux zeigt, wie sich DAB+ als zusätzliche, robuste Infrastruktur für die Bevölkerungswarnung nutzen lässt.

– Olaf Korte, Gruppenleiter Broadcast Applications am Fraunhofer IIS