{"id":2534,"date":"2017-02-23T08:00:33","date_gmt":"2017-02-23T06:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/websites.fraunhofer.de\/iis_audioblog?p=2534"},"modified":"2020-01-03T18:35:03","modified_gmt":"2020-01-03T16:35:03","slug":"neues-aus-der-welt-des-digitalradios-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.audioblog.iis.fraunhofer.com\/de\/neues-aus-der-welt-des-digitalradios-teil-2","title":{"rendered":"Neues aus der Welt des Digitalradios \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Vergangene Woche berichteten wir \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.audioblog.iis.fraunhofer.com\/de\/aktuelles-aus-der-welt-des-digitalradios\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">aktuelle Entwicklungen beim digitalen Radio in Europa<\/a>. Im heutigen Beitrag besch\u00e4ftigen wir uns nun mit dem Ausbau des Digitalradios in anderen Erdteilen, und nehmen hier haupts\u00e4chlich die Entwicklungen in Indien genauer unter die Lupe.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In Indien wurde Ende Januar die n\u00e4chste Phase des weltweit gr\u00f6\u00dften Digitalradio-Rollouts eingel\u00e4utet, als Rundfunkstandard wurde hier Digital Radio Mondiale (DRM) (http:\/\/www.drm.org\/) gew\u00e4hlt. DRM bietet die gleichen Dienste und Funktionen wie DAB+, ist aber im Gegensatz zu DAB+ kein Multiplex mit vielen Programmen in einem breitbandigen Sendesignal, sondern stellt eher die direkte digitale Nachfolge der analogen AM- und UKW-Ausstrahlungen dar, mit einem eigenen Sendesignal pro Rundfunkveranstalter. Es erm\u00f6glicht dadurch die einfache Koexistenz mit analogen AM- und UKW-Ausstrahlungen in der \u00dcbergangsphase und deckt alle Rundfunk-Szenarien ab, von der lokalen Radio-Versorgung bis hin zu internationalen und weltweiten Ausstrahlungen. Ebenso wie bei DAB und DAB+ war Fraunhofer auch an der Entwicklung von DRM ma\u00dfgeblich beteiligt.<\/p>\n<p>In Indien sind bereits heute 39 Hochleistungssender mit DRM-Signalen, mit jeweils bis zu einem Megawatt Sendeleistung, in Betrieb, darunter zwei Kurzwellen-Sender zur landesweiten Radioversorgung und zwei weitere Kurzwellen-Sender f\u00fcr internationale Ausstrahlungen, auch nach Europa. Die restlichen 35 Sender bilden das landesweite Mittelwellen-Netzwerk, das bei rein digitalem Betrieb mehr als 60 Prozent der Bev\u00f6lkerung versorgen wird. Dieses Netzwerk ist besonders wichtig f\u00fcr das Land, weil au\u00dferhalb der gro\u00dfen St\u00e4dte die meisten Inder auf Radio zur Informationsversorgung angewiesen sind.<\/p>\n<p><strong>Digitalradio f\u00fcr alle<\/strong><\/p>\n<p>Mit der Inbetriebnahme der 39 DRM-Sender hat AIR \u2013 All India Radio, der \u00f6ffentlich-rechtliche Radioveranstalter in Indien \u2013 Ende 2016 die erste Phase der DRM-Einf\u00fchrung im Land erfolgreich abgeschlossen. Die nun beginnende zweite Phase sieht die kontinuierliche Optimierung der Sendeleistungen vor, zusammen mit der Festlegung der genauen Radioprogramme, die in jeder Region digital verf\u00fcgbar sein werden, sowie der Aktivierung des DRM-Zusatzdienstes <a href=\"https:\/\/www.iis.fraunhofer.de\/de\/ff\/amm\/prod\/digirundfunk\/digirundf\/journaline.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Journaline<\/a>. Der Datendienst erlaubt die parallele \u00dcbertragung von aktuellen Text-Nachrichten und Informationen in etlichen der \u00fcber 100 Sprachen des Landes, sodass auch Reisende die das Radioprogramm selbst nicht verstehen k\u00f6nnen, oder die \u00fcberwiegende Mehrheit der Inder ohne Internet-Zugang auf dem Laufenden bleiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ma\u00dfgeblich f\u00fcr eine erfolgreiche Einf\u00fchrung von DRM in Indien wird der dabei verwendete Audiocodec <a href=\"https:\/\/www.iis.fraunhofer.de\/de\/ff\/amm\/prod\/digirundfunk\/digirundf\/xheaac.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">xHE-AAC<\/a> sein. Er erlaubt es, mehrere Stereo-Programme plus Datendienste \u00fcber einen einzelnen Mittelwelle-Sender zu \u00fcbertragen \u2013 in einer Qualit\u00e4t, die \u201eUKW f\u00fcr alle Inder\u201c verspricht \u2013 da die tats\u00e4chlichen UKW-Ausstrahlungen auf die gro\u00dfen St\u00e4dte des Landes beschr\u00e4nkt sind.<\/p>\n<p>All diese Technologien \u2013 neben dem DRM-Standard als solchem, dem xHE-AAC Audiocodec und dem Journaline Datendienst auch der eingeplante Notfall-Alarmierungsdienst EWF (Emergency Warning Functionality) \u2013 wurden ma\u00dfgeblich vom Fraunhofer IIS mitentwickelt. Gleiches gilt auch f\u00fcr die Umsetzung der DRM-Funktionalit\u00e4t in Sende-Encodern, Monitoring-Empf\u00e4ngern und Autoradios: Fraunhofer ist mit seinen Software-Modulen in jedem einzelnen DRM-Ger\u00e4t in Indien vertreten.<\/p>\n<p>Aktuell werden viele der indischen Sender noch im Simulcast-Modus betrieben, das vorhandene analoge Programm wird also unver\u00e4ndert beibehalten, zus\u00e4tzliche Programme und Dienste werden im digitalen DRM-Teil des Sendesignals angeboten. Phase drei des DRM-Rollouts wird schlie\u00dflich in einigen Jahren die vollst\u00e4ndige Umstellung auf rein digitale Radioversorgung bringen, wodurch sich neben einem nochmals vergr\u00f6\u00dfertem Radio-Angebot massive j\u00e4hrliche Kosteneinsparungen f\u00fcr die Sendeleistungen ergeben werden. Voraussetzung f\u00fcr den Beginn dieser dritten Phase ist nat\u00fcrlich zun\u00e4chst die ausreichende Verbreitung von DRM-f\u00e4higen Endger\u00e4ten im Land.<\/p>\n<p><strong>DRM-Start in Pakistan und Indonesien<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend in Indien das weltweit gr\u00f6\u00dfte Radio-Digitalisierungsprojekt l\u00e4uft, sind auch andere L\u00e4nder nicht unt\u00e4tig. Das Nachbarland Pakistan hat Ende Januar 2017 die erfolgreiche Inbetriebnahme des ersten DRM-Senders bekannt gegeben. Im ersten Schritt ist DRM hier im UKW-Band zur Lokal- und Regionalversorgung im Einsatz. Weitere Schritte hin zur Radio-Digitalisierung umfassen auch DRM-Upgrades f\u00fcr die vorhandenen Mittelwelle- und Kurzwellensender der Pakistan Broadcasting Corporation PBC \/ Radio Pakistan, dem \u00f6ffentlich-rechtlichen Radioveranstalter Pakistans.<\/p>\n<p>Mit Indonesien macht sich nun auch das nach Einwohnern viertgr\u00f6\u00dfte Land der Welt auf den Weg, seine Radio-Infrastruktur zu digitalisieren. Indonesien hat neben einer lebhaften Lokalradio-Landschaft im UKW-Bereich auch ein sehr gro\u00dfes Netzwerk von Sendern im Kurz- und Mittelwellen-Bereich, um die Bewohner der gro\u00dfen Haupt- und der vielen tausend kleineren Inseln mit Informationen zu versorgen. Auf der Jahreshauptversammlung der Asia-Pacific Broadcasting Union (ABU) im Oktober 2016 auf der Insel Bali hat der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunkveranstalter Radio Republik Indonesia (RRI) die Digitalisierung mittels DRM angek\u00fcndigt. Nach erfolgreichen DRM-Tests im Mittelwellen-Bereich und einem fr\u00fcheren DAB+ Test in Jakarta wird demn\u00e4chst ein weiterer DRM-Test im UKW-Band stattfinden, nach dessen erfolgreichem Abschluss die offizielle Einf\u00fchrung von Digitalradio starten soll.<\/p>\n<p><strong>S\u00fcdafrika f\u00e4hrt zweigleisig mit DRM und DAB+<\/strong><\/p>\n<p>Zu guter Letzt ein Blick nach Afrika: In S\u00fcdafrika startet nach dem erfolgreichen Test von DRM im Mittelwellen-Bereich demn\u00e4chst die DRM-\u00dcbertragung im UKW-Bereich in Johannesburg, die entsprechende Lizenz wurde Anfang Februar erteilt. Gerade Lokal- und Community-Radiostationen k\u00f6nnen von den erweiterten M\u00f6glichkeiten von DRM zur Einnahmengenerierung sowie den drastisch reduzierten Sendekosten im Vergleich zu analogem UKW-Radio profitieren. Das Land arbeitet an einer Regulierung, die die zuk\u00fcnftige Radio-Digitalisierung sowohl \u00fcber DRM als auch \u00fcber DAB+ parallel umsetzen wird, sodass jeder Rundfunkveranstalter das f\u00fcr die individuellen Versorgungsanforderungen optimale Medium w\u00e4hlen kann. Dieser Ansatz wird unterst\u00fctzt von der technischen \u00c4hnlichkeit der beiden Geschwister-Standards sowie der Verf\u00fcgbarkeit von passenden Multi-Standard-Empfangsl\u00f6sungen, sodass aus Sicht des H\u00f6rers das zugrundeliegende \u00dcbertragungssystem keine Rolle mehre spielen wird.<\/p>\n<p>Titelbild: \u00a9 WorldRadioDay \/ UNESCO<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vergangene Woche berichteten wir \u00fcber aktuelle Entwicklungen beim digitalen Radio in Europa. 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